Wie kann die Energiewende in der Region Bamberg gelingen? Wie können wir uns von Energiekonzernen unabhängig machen und von Heimatenergie profitieren?
Das fragte sich das Bamberger Klimaschutzbündnis und machte sich auf die Suche nach Menschen, Unternehmen, Organisationen und Kommunen, die bereits jetzt für das Ziel 100 % erneuerbar arbeiten – im Kleinen wie im Großen: Was treibt sie an? Welche Chancen gilt es zu nutzen? Welchen Herausforderungen begegnen sie und wie meistern sie diese?
So entstand diese Ausstellung, die als Patenprojekt des Klimaschutzbündnisses gemeinsam mit dem MitMachKlima der Stadt Bamberg umgesetzt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird.
Die ausgewählten Positivbeispiele stehen stellvertretend für viele andere. Dazu findest Du auf unserer digitalen Zukunftsenergie-Karte erfolgreiche Vorreiterinnen und Vorreiter, aktuell anlaufende Kampagnen und neue Projekte in unserer Region. Denn die Energiewende hat viele Gesichter. Du wirst staunen!
So viele Fragen:
Ist die Energiewende überhaupt zu schaffen? Was können wir in der Region erreichen? Sollen und können wir hier vor Ort die Welt retten?
Aber es gibt Antworten!
Überall auf der Welt übernehmen immer mehr Menschen Verantwortung. Auch in deiner Nachbarschaft! Viele schließen sich zusammen in ihrer Kommune, ihrem Unternehmen und eigenen Projekten, vernetzen sich und setzen Impulse. Wir gemeinsam kurbeln die Energiewende an und retten vielleicht nicht gleich die ganze Welt, aber Schritt für Schritt große Teile unserer Lebensgrundlage.
Von diesen zahlreichen Positivbeispielen stammen einige sogar aus Franken! : )
Wie?
Ein Balkonkraftwerk, auch Stecker-Photovoltaik-Anlage genannt, ist am Balkon, im Garten, an der Hauswand oder überall dort installierbar, wo es sonst noch hinpasst. Sobald Licht auf das Balkonkraftwerk fällt, produziert es Solarstrom, der automatisch die eigene Wohnung mitversorgt und die Stromrechnung reduziert.
Warum?
An sonnigen Tagen fließt der Strom gratis und die Anschaffungskosten machen sich innerhalb weniger Jahre bezahlt. Bei Sonnenschein kann beispielsweise der Kühlschrankbetrieb gedeckt sein. Gezielte Nutzung von Spülmaschine und Waschmaschine steigern den Effekt der Eigenversorgung. Die im Haushalt angeschlossenen Geräte nutzen zunächst die eingespeiste erneuerbare Energie des Balkonkraftwerkes, bevor sie wieder auf Strom vom Versorgungsunternehmen angewiesen sind.
Wohin?
Ein Balkonkraftwerk macht noch keine Energiewende. Die Module vermitteln jedoch das Gefühl, einen Beitrag zu leisten und einen Anfang zu machen. Sie erhöhen das Verständnis für sonnige Stromversorgung und sind somit ein kleiner, niedrigschwelliger Einstieg in die Energiewende.
Woher bekomme ich ein Balkonkraftwerk?
Direkt hier vor Ort könnt ihr über eine lokale Energiegenossenschaft, die fei Bürgerenergie Balkonkraftwerke bestellen. Meist gibt es im Vorfeld eine Infoveranstaltung, dann wird per Sammelauftrag bestellt. Die Internetseite der Genossenschaft bietet eine ganze Bandbreite an Informationen zu Vorteilen, Wirtschaftlichkeit, Montagemöglichkeiten, Produktübersicht und Anschaffung. Inzwischen bietet fei bürgerenergie auch eine Installationshilfe an. Auch haben inzwischen viele Baumärkte Balkonkraftwerke in ihrem Angebot.
Wie funktioniert das und was kann ein Balkonkraftwerk?
Ein Balkonkraftwerk wird einfach und direkt in die Steckdose gesteckt und speist den sonnengenerierten Strom direkt in euer Hausnetz ein. Inwieweit ein Balkonkraftwerk den Strombezug von externen Anbietenden reduziert, hängt von einigen Faktoren ab: der Ausrichtung, dem Winkel der Aufhängung, der Verschattung und dem eigenen Verbrauchsverhalten.
Bei optimaler Installation und Ausnutzung versprechen die Module ca. 800 Watt zur sommerlichen Mittagszeit. Aber was heißt das überhaupt und welche Geräte kann das Kraftwerk wirklich versorgen?
Schauen wir einmal genauer hin!
Über den Artikel auf Utopia „Mein Balkonkraftwerk in der Praxis: Was bringt es wirklich?“, in dem der Redakteur Michael Schlump einen Erfahrungsbericht zu Leistung und Versorgung des installierten Balkonkraftwerkes erstellt hat, haben wir uns als Familie mit eigenem Balkonkraftwerk selbst aufgemacht und gecheckt, ob wir seine Erfahrungen bestätigen können.
Als erstes ist das Verständnis für den Leistungsverlauf notwendig. In der Regel kann dieser über eine App verfolgt werden. Betrachtet man den Verlauf eines typischen Sommertages, fällt auf, dass die maximale Leistung 600 Watt beträgt. Das liegt am Wechselrichter, der den Gleichstrom der PV-Module in Wechselstrom umwandelt und mit einer Leistung von 600 Watt einspeisen kann (inzwischen liegt dieser Wert aber bei 800 W).
Sonnenstand und Bewölkung bedingen Schwankungen über den Tagesverlauf. Nach Beginn der Stromerzeugung kurz nach Sonnenaufgang steigt die Leistung rasant. Zwischen 8:00 und 17:00 liefert das Modul über 300 W. Welche Geräte kann ich nun aber damit versorgen?
Für diese Einschätzung müssen die spezifischen Verbrauche bekannt sein. Ein Gerät, das beispielsweise permanent läuft, ist der Kühlschrank. Unser Kühlschrank liegt bei 20 Watt. Der Router läuft dank Zeitschaltuhr nicht mehr die ganze Nacht durch, aber er braucht ca. 6 Watt bei Betrieb. An einem Homeoffice-Tag ziehen Computer und Drucker durchschnittlich 30 W. Diese Geräte können also an einem zumeist sonnigen Tag gedeckt werden. Bei anderen Geräten wie Spülmaschine, Waschmaschine, Herd, Mikrowelle, Wasserkocher oder Föhn sind die Leistungsaufnahmen teilweise standardmäßig bzw. phasenweise oberhalb der Leistungseinspeisung durch das Modul. Spülmaschine und Waschmaschine haben zwar einen durchschnittlichen Verbrauch, der über die Leistung der Sonne abgedeckt werden kann, kurzfristig nehmen die Geräte aber etwa beim Aufheizen viel mehr Leistung auf. Eine geschickte Benutzung auch dieser Geräte – in Abstimmung an die Zeit, in der das Modul den größtmöglichen Stromertrag leistet, garantiert die optimale Nutzung und Reduktion der Stromkosten.
Typische Leistungsbedarfe verschiedener Geräte:
Die hier tabellarisch genannten Werte sollen eine praxisnahe Orientierungshilfe für Balkonkraftwerksinteressenten darstellen und sind keine exakte wissenschaftliche Ermittlung. Genaue Informationen zu den eigenen Geräten finden sich auf deren Typenschildern.
Und das heißt?
Durch eine bewusste Nutzung der Geräte, wie zum Beispiel die Programmierung der Waschmaschine, kann die erbrachte Leistung des Balkonkraftwerkes optimal genutzt und der Bezug aus dem öffentlichen Netz reduziert werden. Trotz Verbrauchsoptimierung kann nur ein Teil des Strombedarfs gedeckt werden. Wir schätzen anhand der vorhandenen Daten, dass wir 15–20 % Einsparungen durch das PV-Modul ohne Speicher haben. Dabei ist noch einiges an Spielraum zur Optimierung der Geräteschaltung. Wir kommen also zum sehr ähnlichen Ergebnis wie der Autor des genannten Artikels, dass nur ein Teil des Strombedarfs mit eigens erzeugtem Ökostrom abgedeckt werden kann. Ausblickend möchten wir mit seinen Worten schließen: Für einen konsequenten Bezug des Stroms aus erneuerbaren Energien ist der Wechsel zu einem Ökostromanbieter sinnvoll.
Warum?
Die Gemeinde Bundorf will nicht nur große Mengen erneuerbaren Strom erzeugen, sondern eine echte Energiewende schaffen. Deshalb profitieren die Bürgerinnen und Bürgern von einer Alternative zu Öl und Gas für die Wärmeversorgung sowie Lademöglichkeiten für E-Autos.
Wie?
Der Bürgersolarpark Bundorf erzeugt mit circa 125 MWp (Megawatt Peak) Gesamtleistung so viel Strom, wie rund 37.500 Haushalte verbrauchen. Der Naturschutz wurde dabei berücksichtigt: Durch Wildtierkorridore, die Anpflanzung von Magerwiesen sowie den Einsatz von regionalem Saatgut zur Eingrünung wird die Artenvielfalt unter den Solarmodulen gefördert. Neben dem Bürgersolarpark wurde nach dem Prinzip Power-to-Heat ein hauptsächlich stromgeführtes Fernwärmenetz zur Versorgung von Privathaushalten und kommunalen Liegenschaften wie dem Bürgerhaus und einem Kindergarten errichtet. Parallel dazu wird eine E-Ladeinfrastruktur aufgebaut.
Von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme vergingen nur drei Jahre. Dies konnte durch eine enge und partnerschaftliche Kooperation zwischen der Bürgerenergiegenossenschaft EGIS eG und der Gemeinde ermöglicht werden. Schon mit 200 Euro können sich Interessierte an der Genossenschaft beteiligen.
Wohin?
Das Pionier- und Modellprojekt soll langfristig eine zuverlässige, nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung sichern. Wärme- und Mobilitätswende werden dabei mitgedacht. Zukünftig erhalten nicht nur die Genossenschafterinnen und Genossenschafter eine attraktive Dividende, sondern es wird ein eigener, günstiger Stromtarif für Bundorf gelten. Bundorf befindet sich somit auf dem Weg zur kompletten Energieautarkie und reduziert den CO2-Ausstoß der Gemeinde um rund 90.000 Tonnen pro Jahr.
Wusstest Du,
… dass für den PV-Park in Bundorf 232.000 Module verbaut wurden und 131.250.000 kWh pro Jahr erzeugt werden?
… dass dieser mit seiner Größe von etwa 180 Fußballfeldern Bayerns größte zusammenhängende Photovoltaikanlage ist?
… und dass somit pro Jahr sage und schreibe 91.080 Tonnen CO₂ einspart werden können?
Warum?
Die „fei Bürgerenergie eG“ versteht sich als Teil einer lokalen und globalen Bewegung, die eine sozialökologische Transformation nicht nur fordert, sondern konkret umsetzt. Durch ihre erneuerbaren Energieprojekte trägt sie zum lokalen Klimaschutz bei sorgt neben geringeren CO2-Emissionen auch für niedrigere Energiekosten. Geplant, finanziert und verwaltet werden diese von engagierten Einwohnenden, was demokratische Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.
Die Energiewende kann nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gelingen. Eine Genossenschaft ermöglicht wie keine andere Unternehmensform eine gleichberechtigte Zusammenarbeit, denn jedes Mitglied hat – unabhängig von den eingebrachten Finanzen – eine Stimme in der Generalversammlung. Gemeinsam werden wichtige Entscheidungen getroffen, Vorstand und Aufsichtsrat gewählt und Gewinnausschüttungen festgelegt.
Wie?
Seit ihrer Gründung konnte die fei Bürgerenergie durch Sammelbestellungen fast Haushalten – von fei-Mitgliedern und Nichtmitgliedern in Bamberg und Umgebung – günstig und unkompliziert zu 150 Balkon-Solarmodulen verhelfen. In Kooperation mit lokalen Organisationen bietet die Genossenschaft gemeinnützigen Trägern die Projektierung von Photovoltaik-Anlagen auf bestehenden Dachflächen an – Planung, Finanzierung, Installation und Betrieb inklusive. Zudem ist sie Mitentwicklerin für größere Freiflächen-PV-Anlagen mit Bürgerbeteiligung, der erste Baubeginn ist für 2025 geplant.
Bei fei kann jede und jeder mitmachen, aktiv in Arbeitskreisen oder durch finanzielle Unterstützung: Neben einfachen Anteilszeichnungen können Mitglieder für einzelne Projekte Darlehen gewähren, die mit festem Zins und möglicher Gewinnbeteiligung zurückgezahlt werden.
Wohin?
Die Bürgerenergiegenossenschaft etabliert sich derzeit als kompetente Akteurin und Kooperationspartnerin im Energiesektor in Stadt und Landkreis Bamberg. Sie befindet sich in Gesprächen zur Beteiligung an Windkraftanlagen und -parks. Künftig sollen auch Projekte zur Sektorenkopplung – also beispielsweise die Nutzung von Solarenergie für Heizsysteme in Gebäuden oder Ladesäulen für Elektrofahrzeuge – realisiert werden.
Wusstest Du,
… dass die Idee der Bürgerenergiegenossenschaft nicht neu ist?
Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland in ländlichen Gegenden einige Energiegenossenschaften gegründet, um elektrische Energie zu erzeugen oder ein Verteilnetz aufzubauen. Warum? Für größere Energieunternehmen war die Investition in ein Stromnetz unrentabel, aber natürlich wollten auch die Menschen auf dem Land Strom für sich nutzen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl der sogenannten Elektrizitätsgenossenschaften auf etwa 6.000 an, bevor diese ab den späten 1930er-Jahren durch Konzentrationsbemühungen und Zwangsschließungen während des Dritten Reiches rapide abnahm.
Quellen:
Warum?
Die Flächen in Hohenellern eignen sich hervorragend für die Errichtung von Windkraftanlagen, denn es herrschen überdurchschnittlich gute Windbedingungen. Engagierte Bürgerinnen und Bürger erkannten dies und gründeten bereist 1997 die Agenda 21-Gruppe ([als Fußnote oder im Text] Agenda 21: Aktionsprogramm der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung im 21. Jahrhundert). Sie waren überzeugt, dass die lokale Energiewende in die Hände der Bevölkerung gehört.
Wie?
Das Vorhaben wurde zunächst auf Landkreisebene fünf Jahre lang blockiert, während Gemeinderat und Öffentlichkeit durch gute Informationsveranstaltungen von Ortsansässigen schnell überzeugt werden konnten. Die lokale Agenda 21-Gruppe reagierte aber trotz aller Hindernisse schnell und schaffte es, Grundstückseignerinnen und -eigner für die Idee zu gewinnen. So wurde ein Flächenpachtvertrag abgeschlossen, der alle 25 Besitzerinnen und Besitzer einbezog. Letztendlich führte die Zusammenarbeit zwischen der Gruppe als Ideengeberin und der Gemeinde Litzendorf sowie der Dornauer Windkraft UG zum Erfolg.
Durch die Beteiligung von 150 Bürgerinnen und Bürgern kamen vier Millionen Euro zusammen. Die fehlenden zehn Millionen Euro wurden von drei Genossenschaften finanziert. Nicht nur die Anteilsnehmerinnen und -nehmer profitieren seit der Inbetriebnahme August 2016 finanziell, auch in die Gemeinde fließen regelmäßig Gewerbesteuereinnahmen durch den Bürgerwindpark.
Wohin?
Ein viertes Bürgerwindrad der neueren Generation ist bereits genehmigt und soll 2025 ans Netz gehen. Dieses ist 20 Meter höher und bringt alleine 7,2 Megawatt, d.h. so viel wie die drei schon bestehenden Windräder bisher gemeinsam produzieren. Dies entspricht dem Bedarf von weiteren 6.700 Haushalten.
Wusstest Du,
… dass aus der 1997 gegründeten Agenda 21-Gruppe in Litzendorf mehrere Arbeitskreise entstanden sind, zum Beispiel der Arbeitskreis CO2-Reduzierung und der Arbeitskreis Natur – Energie – Umwelt? Diese treffen sich regelmäßig und bieten Informationen und Vorträge an, auch für andere Gemeinden. Der AK CO2-Reduzierung war auch an der Gründung eines Gewerbevereins beteiligt.
Quellen:
Warum?
Die Gemeinde Speichersdorf will durch den Bürgersolarpark den Energieverbrauch der Bürgerinnen und Bürger inklusive des örtlichen Gewerbes abdecken.
Wie?
Bereits Ende der 1990er-Jahre entstanden zwei Windkraftanlagen in der Nähe des Ortsteiles Wirbenz. Im Jahr 2007 wurde der Ortsteil Guttenthau zum ersten Bioenergiedorf Oberfrankens gekürt. Der Bürgersolarpark hat im März 2023 seinen Betrieb aufgenommen. Er erzeugt eine Nennleistung von 18,9 MWp im Jahr und liefert damit rund 20 Millionen Kilowattstunden Strom aus der Sonne. Der Stromertrag des Photowoltaik-Parks reicht aus, um den Verbrauch der Gemeinde, ihrer Bürgerinnen und Bürger und des Gewerbes bilanziell zu decken.
Wohin?
Die Gemeinde meldet zwei neue Gebiete als Vorrangflächen für Windkraft. Das Genehmigungsverfahren wird voraussichtlich bis 2026 abgeschlossen sein. Die Bürgerinnen und Bürger werden regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und die Chancen der Energiewende informiert. Die Errichtung von Speichermöglichkeiten wäre ein weiterer und wichtiger Standortfaktor als Teil der Wertschöpfung durch Stromproduktion mittels Photovoltaik, Windrädern und Biogasanlagen vor Ort.
Wusstest Du,
… dass in Speichersdorf das erste Nahwärmenetz bereits 2017 mit der Errichtung einer Hackschnitzelanlage in der Schule durch die Bioenergie Speichersdorf GmbH & Co. KG in Betrieb genommen wurde? Beheizt werden damit die Grund- und Mittelschule, die Tagespflegeeinrichtung, die Sportarena sowie das Rathaus. Nur in seltenen Spitzenzeiten bei einer Temperatur von unter Minus zehn Grad muss die 400 kW-Anlage von den beiden bestehenden Gasöfen unterstützt werden.
Quellen:
Warum?
Die Gemeinde Speichersdorf will durch den Bürgersolarpark den Energieverbrauch der Bürgerinnen und Bürger inklusive des örtlichen Gewerbes abdecken.
Wie?
Bereits Ende der 1990er-Jahre entstanden zwei Windkraftanlagen in der Nähe des Ortsteiles Wirbenz. Im Jahr 2007 wurde der Ortsteil Guttenthau zum ersten Bioenergiedorf Oberfrankens gekürt. Der Bürgersolarpark hat im März 2023 seinen Betrieb aufgenommen. Er erzeugt eine Nennleistung von 18,9 MWp im Jahr und liefert damit rund 20 Millionen Kilowattstunden Strom aus der Sonne. Der Stromertrag des Photowoltaik-Parks reicht aus, um den Verbrauch der Gemeinde, ihrer Bürgerinnen und Bürger und des Gewerbes bilanziell zu decken.
Wohin?
Die Gemeinde meldet zwei neue Gebiete als Vorrangflächen für Windkraft. Das Genehmigungsverfahren wird voraussichtlich bis 2026 abgeschlossen sein. Die Bürgerinnen und Bürger werden regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und die Chancen der Energiewende informiert. Die Errichtung von Speichermöglichkeiten wäre ein weiterer und wichtiger Standortfaktor als Teil der Wertschöpfung durch Stromproduktion mittels Photovoltaik, Windrädern und Biogasanlagen vor Ort.
Wusstest Du,
… dass die Sozialstiftung jetzt auch das Klinikum am Michaelsberg mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet hat? Sie ging im August 2024 in Betrieb, bedeckt ca. 1370 m² Dachfläche und soll mit einer Leistung von 306 kWp jährlich ca. 200.000 kWh Strom produzieren. Der erzeugte Strom wird vollständig am Klinikum am Michelsberg verbraucht und macht es zu 32 % autark.
Quellen:
Warum?
Die alte, gasbeheizte Anlage des Schwimmbads im Bamberger Stadteil Bug musste ausgetauscht werden. Der Wassersportverein Neptun als Betreiber konnte mit Hilfe der Bundesfördermittel ein neuartiges, weniger klimaschädliches System umsetzen.
Wie?
Der Wassersportverein stemmte ein aufwändiges Sanierungsverfahren mit Bundesförderung sowie mit Mitteln des Bayerischen Landes-Sportverbandes und der Stadt Bamberg. Durch die öffentlichen Fördergelder steht die neue Multifunktionshalle jetzt auch Nicht-Mitgliedern oder beispielsweise der Volkshochschule zur Verfügung.
Auf den Dächern der Gebäude des Freibades sind nun Photovoltaik-Module installiert. Insgesamt stehen zurzeit 112 Kilowatt Peak zur Verfügung, pro Jahr dürfte damit der Ertrag bei ca. 110 Megawattstunden liegen. Ein Batteriespeicher mit 30 Kilowattstunden für die Nacht ist eingebunden.
Die neue Multifunktionshalle ist als Niedertemperaturhaus konzipiert. Mit Fußbodenheizung und einem Lüftungssystem samt Wärmerückgewinnung werden die Temperaturen reguliert. Acht spezielle Luft-Wärmepumpen heizen das 25-Meter-Becken auf 22 Grad und mehr. Eine weitere Wärmepumpe liefert für das kleine Kinderbecken 28 Grad. Im Winter sorgt ergänzend die Erdwärmepumpe für ausreichend hohe Temperaturen von Luft und Warmwasser in der Halle.
Wohin?
Etwa 50 Prozent Energieunabhängigkeit sind mit den neuen Anlagen erreicht. Ein weiterer Ausbau ist für 2025 angedacht. Der Nachbarverein SV Bamberg plant ein ähnliches Konzept für einen klimafreundlichen Schwimmbadbetrieb. Auch weitere Bäder im Umland haben Interesse gezeigt und erste Maßnahmen unternommen.
Noch mehr klimafreundlich schwimmen: Bambados, Bamberg
Auch das Sport- und Familienbad Bambados, das durch die Stadtwerke Bamberg betrieben wird, macht ein klimafreundlicheres Schwimmen möglich, denn es handelt sich um das erste zertifizierte Schwimmbad in Passivhausbauweise in Europa. Durch diese besondere Bauweise wird der Energieverbrauch um zwei Drittel gegenüber einem herkömmlichen Schwimmbad gesenkt und es stößt somit etwa 80 % weniger klimaschädliches CO2 aus.
Das Konzept zeichnet sich vor allem durch drei wesentliche Eigenschaften aus:
Quellen:
Warum?
Das Sport- und Familienbad Bambados, das durch die Stadtwerke Bamberg betrieben wird, macht ein klimafreundlicheres Schwimmen möglich, denn es handelt sich um das erste Schwimmbad in Europa, das nach Passivhausstandard zertifiziert ist.
Nicht nur der Bau, sondern vor allem der Unterhalt und Betrieb eines Schwimmbades kosten Kommunen viel Geld. Deshalb beschloss die Stadt Bamberg, beim Neubau des Bades auf ein ökologisches, energiesparendes Gesamtkonzept zu setzen. Ergebnis: Bei einem wesentlich größeren Leistungsangebot mit insgesamt sechs Becken, darunter ein wettkampftaugliches 50-Meter-Becken, und einem Saunabereich kostet der Betrieb des Bambados im Mittel nicht mehr als der Weiterbetrieb des alten Hallenbads am Margaretendamm!
Wie?
Durch seine besondere Bauweise wird der Energieverbrauch des Bambados gegenüber einem Bad in gleicher Dimension in herkömmlicher Bauweise um zwei Drittel gesenkt. Es stößt somit etwa 80 % weniger klimaschädliches CO2 aus. Das Bad zeichnet sich vor allem durch folgende Eigenschaften aus:
Insgesamt wurden 31,8 Millionen Euro in das Bambados investiert. Hierzu gewährten die Regierung von Oberfranken, das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit 3,8 Millionen Euro Fördermittel.
Wohin?
Das an der Entwicklung des Bambados beteiligte Passivhaus-Institut konnte durch Monitoring des Pilotprojektes gezielt den Badebetrieb auswerten und verbessern. So wurde zum Beispiel durch eine geänderte Regelung der Stromverbrauch der Lüftungsanlagen um rund 60 Prozent gesenkt. Das Wissen konnte durch Forschungsberichte zu einem Leitfaden aufbereitet werden und steht nun bei der Entwicklung von weiteren ökologischen Bädern zur Verfügung.
Quellen:
Warum?
Die ehemalige Lagarde-Kaserne der amerikanischen Streitkräfte mit einem Areal von 22,5 Hektar wurde 2017 von der Stadt Bamberg erworben. Hier entsteht ein zukunftsweisendes Stadtviertel, das rund 2.400 Menschen ein neues Zuhause bietet. Außerdem siedeln sich Gewerbe, Kultur- und Sozialräume an, wie beispielsweise das digitale Gründerzentrum „Lagarde 1“, in dem bereits 20 Start-ups arbeiten, sowie ein Demenzzentrum der Sozialstiftung Bamberg und die Zentralstelle Cybercrime.
Um das Quartier nachhaltig zu entwickeln, hat die Stadt Qualitätsstandards festgeschrieben: Ein Großteil der Wärme soll mit erneuerbaren Energien vor Ort erzeugt werden. Das entsprechende Wärmekonzept haben die Stadtwerke Bamberg gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut und einem Ingenieurbüro und der Otto-Friedrich-Universität entwickelt.
Wie?
70 Prozent der benötigten Wärme wird vor Ort aus erneuerbaren Energien gewonnen durch
Das Projekt wird mit 11,6 Millionen Euro im Rahmen des Programms „Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0“ durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert.
Wohin?
Auf dem Lagarde-Gelände werden neue Maßstäbe für nachhaltige urbane Wärmeversorgung gesetzt. Das Wärmekonzept hat bereits während der Bauphase überregional Aufmerksamkeit erregt und dient als Vorbild für andere Stadtentwicklungsprojekte. In Bamberg hat sich hieran vor allem die Stadtbau ein Beispiel genommen. Nach dem „Vorbild Lagarde“ will sie mit Unterstützung der Stadtwerke bis zum Jahr 2040 bei der Beheizung ihrer 4.000 Wohnungen nahezu kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr ausstoßen und somit eine der ersten großen klimaneutralen Wohnungsbaugesellschaften Deutschlands werden.
Quellen:
Warum?
Es fehlt Menschen oftmals noch an Wissen über Möglichkeiten, Energie einzusparen und effizient anzuwenden. Dabei kann durch viele teils einfache Maßnahmen der Energiebedarf stark gesenkt werden. Fehlendes Hintergrundwissen erschwert es, aus den unüberschaubaren kommerziellen Angeboten im Bereich der erneuerbaren Energien die richtige Lösung für sich auszuwählen.
Wie?
Der Verein wurde 1998 als unabhängige Beratungseinrichtung in Energiefragen für den Regierungsbezirk Oberfranken gegründet. Allen Interessierten wird eine kostenlose, unabhängige und produktneutrale Beratung über erneuerbare Energien sowie Möglichkeiten zur Energieeinsparung angeboten. Die Beratung erfolgt wahlweise zu Hause, telefonisch oder an Beratungstagen in Rathäusern oder Landratsämtern.
Darüber hinaus organisiert der Verein Veranstaltungen und Vortragsreihen und hat einen Förderkompass erstellt, der Informationen über relevante Fördermöglichkeiten zusammenführt.
Wohin?
Es sollen immer mehr Menschen erreicht, unterstützt und vor Energiearmut bewahrt werden.
Wusstest Du,
dass viele der unzähligen Fördermöglichkeiten für Wärmeschutz des Hauses, Erneuerung der Heizung oder die Nutzung erneuerbarer Energien aus Unwissenheit nicht genutzt werden und den Bürgerinnen und Bürgern somit zum Teil erhebliche Geldmengen entgehen?
Mithilfe eines sogenannten „Förderkompasses“ bringt die Energieagentur Oberfranken Licht in den Förderdschungel! Man findet dort alle wichtigen Informationen und übersichtlich zusammengefasste, nach verschiedenen Gebieten sortierte Förderangebote. Schau doch mal rein, oder mache einen Termin zur kostenlosen Energieberatung aus. Vielleicht findet sich ja auch für Dich und Deine Wohnsituation eine gute und bezahlbare Lösung, bei der Du das Klima schützt und bares Geld sparen kannst.
Warum?
Chris und Tillmann gründeten Panelretter 2023, um die wachsende Menge an Solarmüll in Deutschland zu reduzieren. Ihr Ziel ist es, Solarpanels vor dem Verschrotten zu bewahren, die Umwelt zu schützen und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.
Wie?
Panelretter sammelt ausgediente, aber noch funktionsfähige Solarpanels, prüft und überholt sie, um sie als Balkonkraftwerk-Sets anzubieten. Dieser Prozess schont Ressourcen und bietet eine kostengünstige Alternative zu neuen Solarmodulen. Seit der Gründung wurden über 800 Panels gerettet, was erhebliche Umwelteinsparungen bedeutet. Panelretter setzt damit ein wichtiges Zeichen für Nachhaltigkeit in der Solarbranche.
Wohin?
Panelretter plant, in zwei Jahren über 10.000 Solarpanels zu retten, die Anschaffungskosten durch Mietmodelle zu senken und Garantien anzubieten. Die Gründer wollen wiederaufbereitete Module als echte Alternative etablieren.
Wusstest Du,
dass die Panelretter die von ihnen eingesetzten gebrauchten Solarmodule von einem zertifizierten TÜV-Prüflabor prüfen lassen? Dieses führt die gleichen Tests wie bei neuen Modulen durch, um sichergehen zu können, dass diese einwandfrei funktionieren. Zudem wird natürlich die Sicherheit überprüft, vor allem die Isolierung zwischen Kabeln, der Aluminiumrahmen, die Leerlaufspannung und der Kurzschlussstrom. Durch die Erstellung einer Leistungskurve wird die tatsächliche Leistung und das Verhalten bei Sonneneinstrahlung ermittelt. Bei der sogenannten Elektroluminiszenzprüfung werden die Module quasi umgekehrt betrieben, d.h. es wird Strom in sie hineingeleitet, so dass die Zellen im Infrarotbereich leuchten. Gründer Tillman Durth vergleicht dies mit einem Röntgenbild, das mögliche kleinste Beschädigungen sichtbar mache.
Hat das Modul sämtliche Tests bestanden, wird es in der Lebenshilfe Erlangen gereinigt und für den Versand vorbereitet.
Weitere Projekte in Franken folgten, von denen hier nur einige beispielhaft aufgeführt sind:
Warum?
Immer mehr Gemeinden und Unternehmen wollen die Bürgerinnen und Bürger an Solarparks oder Windrädern beteiligen. Wenn die Menschen in Entscheidungsprozesse werden und vor allem von der vor Ort erzeugten Energie direkt finanziell profitieren können, werden sie gerne Teil der Energiewende.
Wie?
In Buttenheim wurden die Bürgerinnen und Bürger vorab umfassend und transparent informiert, so dass es beim Ratsbegehren für den Bürgerwindpark eine Zustimmung von 70 Prozent der Bevölkerung gab. Ebenso vorbildlich ist, dass die Gemeinde bereits zu Beginn des Jahres 2023 die privatrechtliche Sicherung des Vorranggebietes mit den Eigentümern abschloss. Nur wenn sich die Gemeinden rechtzeitig Flächen sichern, behalten sie die Energiewende vor Ort selbst in der Hand – zum Wohle der Menschen, die indirekt durch die Gewerbeeinnahmen und direkt durch eine eigene finanzielle Beteiligung profitieren können.
In Brunn (Heiligenstadt) wurden 2016 die Planungen für einen Windpark wegen des Widerstandes der Bevölkerung zunächst abgebrochen. Erst mit der in Aussicht gestellten Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern kann nun der Aufbau eines Windparks und einer Freiflächensolaranlage wiederaufgenommen werden.
Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten, die Bevölkerung in die Finanzierung einzubeziehen. In Breitengüßbach kooperierte man mit einem Unternehmen, und die Bürgerinnen und Bürger konnten über Solarfonds Anteile erwerben. In Röbersdorf schlossen sich 25 Personen aus der direkten Umgebung zusammen und brachten Eigenkapital auf. In Bundorf erfolgt die Beteiligung über eine Bürgerenergiegenossenschaft, an der man Anteile erwerben kann. In Buttenheim hat man sich für ein schrittweises Verfahren entschieden: Zunächst können alle Buttenheimerinnen und Buttenheimer Anteile erwerben, danach Menschen aus den Nachbargemeinden Zeegendorf, Oberngrub und Teuchatz, und erst anschließend alle weiteren Interessierten aus den Landkreisen Bamberg und Forchheim. Sollte dann noch Geld benötigt werden, steht es jeder und jedem offen, sich in das Projekt einzubringen.
Wohin?
Weitere Bürgersolarparks und Bürgerwindparks sind in Planung:
Immer mehr fränkische Gemeinden machen sich auf in Richtung 100 % Zukunftsenergie, von der die Gemeinden selbst und die Bürgerinnen und Bürger profitieren!
Wusstest Du,
… dass eine aktuelle Studie des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) zu dem Schluss kommt, dass Solarparks Biodiversität fördern?
Quellen:
Warum?
Die Stadtwerk Haßfurt GmbH hat die Vision einer sicheren und unabhängigen Versorgung mit erneuerbarer und vor Ort erzeugter Energie und ließ diese im Laufe der Jahre Wirklichkeit werden.
Wie?
Durch ein erstes erfolgreiches Bürgerbeteiligungsprojekt konnte Ende 2015 ein Teil des Haßfurter Energienetzes von der Ferngas Nordbayern GmbH zurückgekauft werden. Damit bleibt der Gewinn aus der Energieinfrastruktur zukünftig in der Region und damit auch in den Händen der Bürgerinnen und Bürger. Ab 2016 erfolgten Investitionen in den Bürgerwindpark Sailershäuser Wald, an dem die Städtischen Betriebe Haßfurt GmbH einen Anteil von 12,5 Prozent halten.
Die Power-to-Gas-Anlage der Windgas Haßfurt GmbH – ein Gemeinschaftsunternehmen des Stadtwerks Haßfurt und der Greenpeace Energy – hat ihren Betrieb im Oktober 2016 aufgenommen. Die hochmoderne Anlage wandelt überschüssigen Strom aus dem nahen Bürgerwindpark sowie aus weiteren Windenergie- und Solaranlagen in erneuerbaren Wasserstoff um.
Grundvoraussetzung für die Energiewende ist die politische Unterstützung durch den Stadtrat, relevante Gremien und die Öffentlichkeit. Die klassische Energieversorgung verlief bisher von oben nach unten, d.h. Großkraftwerke lieferten Energie. Mittlerweile ist es in Haßfurt genau umgekehrt. Industrie und Wissenschaft werden vernetzt.
Wohin?
Zehn Akteurinnen und Akteure aus der Region stehen hinter einer weiteren Power-to-Gas-Anlage – geplant ist der Bau im Jahr 2025, um 2026 in Betrieb zu gehen. Sogar die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (Irena) wurde aufmerksam und hat in einem Weißbuch die Haßfurter Erfahrungen anderen Kommunen weltweit zur Nachahmung empfohlen.
Was ist der besondere Ansatz des Stadtwerks Haßfurt GmbH?
Das Stadtwerk, das um die 14.000 Kunden beliefert, ist als kommunales Unternehmen nicht profitorientiert und hat sich als höheres Ziel gesetzt, CO2-frei Energie zu erzeugen.
Es ist eng vernetzt mit Industrie und Wissenschaft und versteht sich als Reallabor, um zu testen und zu zeigen, wie die Energiewende funktioniert. Es beteiligt sich deshalb an vielen regionalen, nationalen und internationalen Forschungsprojekten. Auf diese Weise erschließt es sich auch zusätzliche Mittel, die vom Bund, dem Land und der EU bereitgestellt werden, um neue Technologien zu entwickeln und zu verbessern. Zudem ist das Stadtwerk dadurch stets auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung.
Es verfolgt einen gesamtheitlichen Ansatz, indem der Fokus nicht nur auf der Erzeugung von Ökostrom liegt, sondern auch auf dessen Speicherung und Umwandlung, d.h. es will die komplette Bandbreite der Energiewende abdecken. Dies unterscheidet das Stadtwerk von anderen Stadtwerken, die in der Regel nur Teilbereiche angehen.
In Haßfurt wird die Energie dezentral erzeugt, man bekommt die Energie nicht mehr durch Großkraftwerke. Energieversorgung erfolgt somit nicht mehr von oben nach unten.
Das Stadtwerk hat ein effizientes Smartgrid-System entwickelt, d.h. Messungen und Daten werden ausgetauscht, um einen stabilen Netzbetrieb zu gewährleisten und somit einen autarken Betrieb zu realisieren.
Ziel ist zudem, dass auch überschüssige Energie nicht zurückgespeist wird in die Hochspannungsnetze, sondern dass sie vor Ort bleibt mittels Batteriespeicher und einer Power-to-Gas-Anlage. Die Power-to-Gas-Anlage wandelt überschüssigen Strom aus dem nahen Bürgerwindpark Sailershäuser Wald sowie aus weiteren Windenergie- und Solaranlagen in erneuerbaren Wasserstoff um, auch Windgas oder Power-to-Gas genannt. Somit gelingt es, die komplette Energie in Haßfurt zu halten und zu verbrauchen.
Das Stadtwerk hat die politische Unterstützung durch Stadtrat, Gremien und die Bürgerinnen und Bürger selber und konnte somit die Energiewende konsequent umsetzen.
Versorgungsstruktur:
Quellen:
Warum?
Wind und Sonne sind nicht zu jeder Stunde im Jahr gleich verfügbar. Deshalb sind neben dem Netzausbau mehr Speichermöglichkeiten nötig, um eine sichere Versorgung mit erneuerbaren Energien rund um die Uhr zu gewährleisten. Herkömmliche Batterien enthalten seltene oder kritische Rohstoffe wie Lithium, die teils unter sozial und ökologisch fragwürdigen Bedingungen abgebaut werden und von deren Import westliche Nationen bisher abhängig sind. Die Batterie, die von CMBlu Energy entwickelt und produziert wird, setzt nicht nur auf regionale, nahezu beliebig verfügbare Rohstoffe, sondern ist zudem nicht brennbar, nicht explosiv und recycelbar.
Wie?
Im Gegensatz zu Lithium-Ionen-Akkus werden bei den sogenannten „Flussbatterien“ flüssige Elektrolyte eingesetzt. Die Besonderheit der SolidFlow-Batterie aus dem unterfränkischen Betrieb besteht darin, dass eine Kombination aus flüssigen und festen Elektrolyten verwendet wird. Damit verbindet sie das Beste aus zwei Welten – die hohe Energiedichte einer Solid-State-Batterie mit der unabhängigen Skalierbarkeit von Leistung und Kapazität von Flussbatterien.
Wohin?
Seit Juli 2023 kommt die erste betriebsbereite organische Flussbatterie der Welt aus Unterfranken im Solar- und Windpark Schattendorf im österreichischen Burgenland zum Einsatz. Dort dient sie Testlabor, um beispielsweise die Pufferung überschüssiger Energie aus dem Solarpark zu erproben. Der Bau der ersten Gigafabrik in Alzenau wird vorangetrieben, bis Ende des Jahres 2024 startet die vollautomatische Serienfertigung der alternativen Batterien.
Mercedes-Benz wird zudem sein Werk in Rastatt in der zweiten Jahreshälfte 2025 mit dem Stromspeicher von CMBlu Energy ausstatten. Der Speicher soll zunächst eine Kapazität von elf Megawattstunden haben und den Solarstrom aus den werkseigenen Photovoltaik-Anlagen zwischenspeichern.
Wusstest Du,
… dass der Unternehmensgründer und Erfinder der Batterien aus Alzenau eigentlich Mediziner ist und sich für die Entwicklung der Batterien vom menschlichen Körper inspirieren ließ? Jahrelang beschäftigte sich Dr. Peter Geigle mit der Energieversorgung von Gehirnzellen. Die Natur nutze ausschließlich organische Moleküle zur Energiespeicherung, so Geigle. Der menschliche Körper setze über den Citratzyklus Nahrung in Energie um, d.h. im Körper finde eine Redox-Reaktion auf Basis organischer Moleküle statt. Diese Ringmoleküle seien in der Lage, Energie aufzunehmen, zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben. Der Tüftler fragte sich daraufhin, ob man diese Art der Speicherung nicht auch für Batterien nutzen könne.
Quellen:
Warum?
Als größtes zusammenhängendes Süßkirschenanbaugebiet in Deutschland ist die Fränkische Schweiz wirtschaftlich und emotional eng mit der süßen Frucht verbunden. Extremwetterereignisse schmälern jedoch die Erträge empfindlich. Kombiniert man schützende Bedachungen mit Photovoltaik-Anlagen, können diese zusätzlich Strom erzeugen. Dadurch wird die Konkurrenz um Grund und Boden zwischen Landwirtschaft und erneuerbaren Energien verringert und die Akzeptanz für Flächen-Solarparks erhöht. Denn die Solarmodule ermöglichen durch die entsprechende Höhe nicht nur den Anbau von Pflanzenkulturen, sondern schaffen gleichzeitig einen Schutz vor wetterbedingten Schäden.
Wie?
Auf der 300 Quadratmeter großen Versuchsfläche werden vier Meter hohe Dachkonstruktionen über rund 40 Kirschbäumen errichtet. Lichtdurchlässige Solarzellen erzeugen Strom, schützen die Bäume vor Extremwetter und lassen genügend Sonnenlicht an Blüten und Früchte. Als Zusatznutzen wird Regenwasser abgeleitet, in einer Zisterne gesammelt und bei Bedarf zur Bewässerung der Bäume verwendet. Die Projektleitenden versprechen sich zudem eine Verringerung des Pestizid-Einsatzes.
Wohin?
In den nächsten drei Jahren werden Messungen vorgenommen. Es wird dokumentiert, wie die Kirschen wachsen, wie die Fruchtqualität und der Ertrag ausfallen und wie viel Strom erzeugt wird. Dann wird klar, wie schnell sich die Investitionskosten von rund 70.000 Euro für eine vergleichbare Fläche rentieren können.
Wusstest Du,
… dass das Landesamt für Statistik in Fürth im Juni 2024 ernüchternde Zahlen gemeldet hat? Rund 1,93 Millionen Kilo Kirschen sollten laut einer ersten Schätzung die Kirschbauern in Bayern heuer ernten – das sind 31 Prozent weniger als im Vorjahr. Gründe für den schlechten Ertrag: Frostschäden im Frühjahr, später zerstörten Starkregen und Hagel viele Früchte. Die große Beeinflussung durch das Wetter lässt die Erntemengen von Jahr zu Jahr sehr stark schwanken. Ein Grund mehr zu versuchen, mit Photovoltaik-Bedachungen nicht nur Strom zu erzeugen, sondern auch die Ernteausfälle durch Extremwetter zu reduzieren!
Quellen:
Warum?
Die Kundmüllers treibt vor allem die Liebe zu ihrem Heimatdorf und der idyllischen Natur an.
Wie?
Die Brauerei betreibt vier große Photovoltaik-Anlagen, mit der sie einen Großteil des benötigten Stroms selbst erzeugt, den Rest bezieht sie als reinen Ökostrom. Aber sie versucht auch laufend, Strom und Energie einzusparen und erneuert immer wieder Anlagen und Maschinen. Zuletzt wurde die Brauerei vor vier Jahren komplett modernisiert – mit einem innovativen Energiekonzept. So wurden etwa ein neues, energieeffizientes Fünf-Geräte-Sudhaus und eine zentrale Kälteanlage installiert. Seither spart die Brauerei an dieser Stelle 40 Prozent Energie. Erst 2024 hat sie einen neuen Flaschenfüller in Betrieb genommen. Neben Vorteilen für die Qualität des Produkts selbst verbraucht der Abfüller 50 bis 60 Prozent weniger CO2, benötigt bedeutend weniger Wasser für die Reinigung und arbeitet sehr viel energiesparender.
Wohin?
Die Kundmüllers planen eine Erweiterung der Photovoltaik-Anlage. Außerdem soll zukünftig noch mehr Energie eingespart werden, zum Beispiel durch den Austausch der Flaschenwaschmaschine in der Abfüllung gegen eine, die wesentlich weniger Energie und Wasser verbraucht. Sie arbeiten ständig daran, den Brauprozess noch effizienter zu gestalten. Ihre große Vision ist es, eines Tages klimaneutral zu sein.
„Weil wir lieben, wo wir leben.“
Interview des Bamberger Klimaschutzbündnis (BKB) mit dem Geschäftsführer und Biersommelier Oswald Kundmüller der Weiherer Brauerei
BKB: Was haben Sie für die Solarbierzertifierung alles gemacht? Wann haben Sie mit der Zertifizierung begonnen? Wie stellen Sie Ihren Betrieb zukunftsfähig auf?
Oswald Kundmüller: Bereits 2011 sind wir zu ersten Mal als Solarbier-Brauerei zertifiziert worden, wiederkehrende Zertifizierungen folgten. Wir haben bei uns vier große Photovoltaikanlagen, wir erzeugen einen Großteil des benötigten Stroms selbst, den Rest beziehen wir als reinen Ökostrom von Naturenergie. Aber wir versuchen natürlich laufend Strom und Energie einzusparen. Wir erneuern immer wieder Anlagen und Maschinen. Zuletzt wurde die Brauerei komplett modernisiert – mit einem Energiekonzept, das seinesgleichen sucht. So haben wir vor 4 Jahren ein neues modernes und energieeffizientes 5-Geräte-Sudhaus und eine zentrale Kälteanlage installiert. Seither sparen wir an dieser Stelle 40% Energie. Erst heuer haben wir einen neuen Krones-Flaschenfüller in Betrieb genommen, da er eine Menge Vorteile gegenüber unserem bisherigen Füller bietet. Unter anderem ermöglicht das neue Füllprinzip eine besonders produktschonende Abfüllung mit einer sehr geringen Sauerstoffaufnahme, wodurch der frische Geschmack des Bieres sehr lange erhalten bleibt. Außerdem arbeitet der Craftmate in hohem Maße qualitätsoptimiert, verbraucht 50 – 60 % weniger CO2, benötigt bedeutend weniger Wasser für die Reinigung und arbeitet sehr viel energieeffizienter. Die Gastro-Küche wurde auch dieses Jahr modernisiert. Energieeffiziente Geräte wurden verbaut, die Einrichtung den heutigen Anforderungen angepasst und dadurch das tägliche Arbeiten in der Küche optimiert. Die Abläufe werden verbessert, es wurde zudem großen Wert auf ergonomische Arbeitsplätze gelegt.
BKB: Was war Ihre Motivation, was gab den Ausschlag?
Oswald Kundmüller: Es steht schon auf der ersten Seite unseres Hausprospektes: Weil wir lieben, wo wir leben. Wir leben in einem Ort mit einhundert Einwohnern. Idyllisch, absolut naturnah. Dass es diese Natur zu schützen gilt, ist für uns selbstverständlich, genauso wie der Gedanke, so regional zu arbeiten, wie nur möglich. Es ist nicht nur die Solarbier-Zertifizierung, als Mitglied im Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe (QUB) und im Umweltpakt Bayern nehmen wir uns nicht nur als Individuen dem Thema an, sondern auch auf betrieblicher Ebene. Gästehaus und Gaststätte wurden bereits Mitte der 1990er Jahre zur Heizungsunterstützung mit einer Solaranlage ausgestattet. Vier große Photovoltaikanlagen sorgen für umweltschonende Energie.
Zudem sind wir zertifizierte Bio-Brauerei: Bio-Nahrungsmittel sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie gelten als Basis für gesundheitsbewusste Ernährung und tragen durch sanfte Produktionsbedingungen zum Erhalt der Umwelt bei. Das unterstützen wir und haben daher seit 2011 vier Bio-Biere eingeführt – das Weiherer Urstöffla, das Weiherer Keller Pils, das Weiherer Bio-Zwickerla Dunkel und das Weiherer OSw-Alt. 100 Prozent Rohstoffe aus ökologischem Anbau sind der Grundstock für die Bio-Qualität. Bester Bio-Hopfen gibt den Bieren Aroma und Bittere, hochwertiges Bio-Malz aus Franken sorgt für Farbe und Körper.
Die Auszeichnung mit dem Future Award vor zwei Jahren beim European Beer Star, eine Auszeichnung für nachhaltige und vorbildliche Unternehmensführung, macht uns stolz.
BKB: Wie verlief die Umsetzung, welche Hindernisse mussten überwunden werden?
Es gibt immer Hindernisse: Bürokratie, Bürokratie und Bürokratie. Die langen Antragsverfahren für Erneuerungen, Verbesserungen machen einen schon mürbe, aber wir kämpfen uns durch, wir kämpfen für die gute Sache! Alleine die Genehmigung und Inbetriebnahme der Erweiterung der PV-Anlage durch das Bayernwerk hat über drei Jahre gedauert!!!
BKB: Ziele, Visionen und Ausblick: Haben Sie noch weitere Pläne im Bereich Energie / Nachhaltigkeit?
Oswald Kundmüller: Wir haben ein ganz klares Ziel: immer weiter machen, z.B. eine weitere Erweiterung der PV-Anlage und weiter Energie einsparen, z.B. der Austausch der Flaschenwaschmaschine in der Abfüllung, gegen eine, die viel weniger Energie und Wasser verbraucht. Wir arbeiten ständig daran, den Brauprozess noch energieeffizienter zu gestalten. Die ganz große Vision für uns ist es, eines Tages klimaneutral zu sein!
Quellen:
Warum?
Das Projekt soll die Energiewende und den sozialen Zusammenhalt im Ort miteinander verbinden.
Wie?
Der Förderverein „Unser Klimafonds“ unterstützt Klimaschutzprojekte in der Metropolregion Nürnberg durch Fundraising. Hierzu gehört auch die Finanzierung des geplanten Projekts in Altendorf: Die Gemeinde stellt zwei Dachflächen zur Verfügung. Darauf soll je eine Photovoltaik-Anlage gebaut werden, die klimafreundlichen Strom erzeugt. Die Einnahmen aus den beiden Anlagen sollen zu einem großen Teil und nach einem fairen und bedarfsorientierten Schlüssel an die örtlichen gemeinnützigen Vereine gehen.
Wohin?
Das Fundraising läuft noch, die tatsächlichen Anlagenkosten könnten bei ca. 80.000 Euro liegen. Sobald die Summe erreicht ist, geht es ans Planen! Das Beispiel macht Bürgerbeteiligung unmittelbar anschaulich.
Sich eine Photovoltaik-Anlage über Spendengelder finanzieren und schenken zu lassen, ist eine zukunftsweisende Idee – und zum Nachahmen unbedingt empfehlenswert! Die Gemeinde hat sofort zusätzliche Einnahmen durch gesparte Energiekosten oder durch die Volleinspeisevergütung.
Wusstest Du,
… dass auch Du für die Solaranlage auf dem Feuerwehrdach in Altendorf spenden kannst?
Auf der Homepage von „Unser Klimafonds“ findest Du Informationen über dieses und weitere Projekte in der Metropolregion Nürnberg, die man auch mit kleinen Spenden unterstützen kann, um die Energiewende hier vor Ort zu unterstützen und voranzutreiben.
Warum?
Die Errichtung von Freiflächensolaranlagen führt oft zu Flächenkonflikten, wenn landwirtschaftliche Nutzung und Energiegewinnung gegeneinander ausgespielt werden. Burgebrach versucht, diese Konflikte aufzulösen, indem die Fläche durch die Verwendung von geeigneten Modulen weiterhin nutzbar bleibt.
Wie?
Das Bayernwerk und die Marktgemeinde Burgebrach gründen die „Heimatenergie Burgebrach GmbH“, um in Kooperation einen sogenannten Agri-Photovoltaik-Park zu errichten. Auf rund zehn Hektar, was nur 0,11 Prozent der Gemeindefläche entspricht, soll so viel erneuerbare Energie produziert werden, dass rein rechnerisch der Stromverbrauch aller privaten Haushalte in der Marktgemeinde gedeckt werden kann.
Die Module werden in ausreichender Höhe mit großen Abständen zueinander errichtet, um gleichzeitig eine landwirtschaftliche Nutzung der Fläche zu ermöglichen − etwa als Weideland für Schafe.
Wohin?
Ende 2024 soll die Anlage in Betrieb gehen. Der Strom soll gezielt an regionale Großverbraucherinnen und -verbraucher in Burgebrach und Umgebung geliefert und perspektivisch den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort angeboten werden.
Wusstest Du,
… dass im mittelfränkischen Cadolzburg der Landwirt Martin Stiegler über seinen Haselnuss-Anbauflächen Solarpaneele aufstellen will? Diese lichtdurchlässigen Module in ausreichender Höhe wurden bereits erfolgreich bei einem Modellversuch mit Hopfen eingesetzt und würden Pflanzenanbau (Haselnuss), Tierhaltung (Hühner) und die Erzeugung von grünem Strom auf einer Fläche vereinigen. Stiegler möchte aber darüber hinaus den überschüssigen Strom noch sinnvoll weiternutzen. Hierfür strebt er eine Kooperation mit Großunternehmen an: Schaeffler könnte mit Eletrolyseuren die Technik stellen, um den grünen Strom in Wasserstoff umzuwandeln, und BMW den gewonnenen Wasserstoff für Nutzfahrzeuge abnehmen.
Warum?
Die Gemeinde will nachhaltig Strom erzeugen, aber gleichzeitig vermeiden, landwirtschaftliche Flächen für die Stromerzeugung heranziehen zu müssen.
Wie?
Die Solarmodule werden auf Bojen befestigt, um zwölf der ca. 40 bis 60 Hektar großen Flächen auf Baggerseen der Gemarkung Oberhaid für Energiegewinnung zu nutzen. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für Natur, Tiere und Freizeit.
Die Gemeinde ist an die Firma Dennert herangetreten, die Eigentümerin der Wasserfläche ist. Da die Firma selbst einen hohen Energiebedarf im Industriegebiet Trosdorf auf der anderen Mainseite hat, konnte sie für die Projektidee gewonnen werden. Vereinbart ist, dass die Firma Dennert und die Gemeinde Oberhaid je sechs Hektar Solarflächen bauen werden. Es handelt sich also um ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem sich auch Bürgerinnen und Bürger beteiligen und beispielsweise in Form einer GmbH miteingebunden werden können. Der Strom kann in das Umspannwerk zwischen Unterhaid und Oberhaid eingespeist werden. Zudem soll die Oberhaider Kläranlage mit dem so gewonnen erneuerbaren Strom betrieben werden. Das bedeutet einen Mehrwert für die gesamte Bevölkerung.
Wohin?
Wenn die ersten Entwürfe der Bauleitplanung vorliegen, muss das Vorhaben mit der Regierung von Oberfranken, dem Bezirk und den Wasserwirtschaftsämtern abgesprochen werden. Zudem ist angedacht, mit der Uni Bayreuth Kontakt aufzunehmen, um einen studienbegleitenden Untersuchungsbericht über die Auswirkungen einer Photovoltaik-Anlage auf das Wasser zu veranlassen. Sobald all diese Prozesse durchlaufen sind, wird man auf alle Beteiligten und die Bürgerschaft zugehen. Die Planungen können eine Vorbildfunktion haben für andere Baggerseen zwischen Lichtenfels und dem Maintal.
Interview mit Carsten Joneitis im April 2024
Carsten Joneitis ist seit 2008 Bürgermeister in Oberhaid. Klimawandel und Erneuerbare Energien sind wichtige Themen seit seinem Dienstantritt.
1. Bürgersolarpark Oberhaid – erste Anlage mit 2,5 MW Peak in 2011 (5ha PV erzeugt den Strombedarf von ca. 500 Haushalten)
BKB: Sie haben in der Vergangenheit einen Bürgersolarpark gegründet. Gehört dieser direkt zur Gemeinde?
Carsten Joneitis: Das ist eine Bürgergenossenschaft über die deutsche Bürgerenergie. Damals -2011- steckte man, was diese Anlagen anbelangte, noch in den Kinderschuhen. Wir hatten 2010 über den Landkreis eine Solarflächenanalyse durchgeführt, um festzustellen, welche Bereiche für Freiflächenphotovoltaik in Frage kämen. Auch der Gemeinderat war damit einverstanden einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Man hat sich dann auf die Suche nach einer Fläche gemacht, die gut an die Infrastruktur wie Bahn, Bundesstraße angebunden ist. Darüber hinaus war auch noch auf die Einspeisemöglichkeiten zu achten. Hier hatten wir mit dem Umspannwerk gute Voraussetzungen in der Gemeinde. Nach eingehenden Untersuchungen starteten wir dann 2011 mit einer Solaranlage. Die Solaranlage konnten wir schließlich auf knapp 5 ha mit einer Leistung von 2,5 MW Peak umsetzen. Mit dem Strom können wir rechnerisch rund 800 Personen, d.h. 500 Haushalte versorgen.
BKB: Waren es eigene Flächen oder haben Sie Flächen gepachtet?
Carsten Joneitis: Es waren private Flächen. Wir hatten Anfragen gestellt, ob Interesse besteht. Damals war der Pachtzins noch um einiges günstiger. Wir recherchierten damals die Flächen über das Kataster des Landkreises, die vertretbar waren – entlang der Bahn zwischen Unterhaid und Staffelbach. Wichtig war uns die landschaftliche Verträglichkeit. Wir brachten damals unseren Willen zum Ausdruck, dass wir keine Zerspargelung der Freiflächen PV-Anlagen wollten. Die Anlage die aktuell gebaut wird, hat ca. 7 ha. Vor dreieinhalb haben wir schon mit der Planung begonnen und entsprechend mit der damaligen Preisentwicklung kalkuliert. Wir wollten für die Bevölkerung angesichts der damals geringen Zinsen Anreize schaffen, sich mit einer attraktiven Rendite beteiligen zu können. Denn die Gemeinde wäre nicht in der Lage, die Finanzierung der Anlage in Höhe von 10 Mio. selbst zu stemmen. Das ist auch für die Zukunft eher unrealistisch.
BKB: Also Sie haben als Gemeinde die Planung übernommen und sind an Projektanten herangetreten, um die Finanzierung zu klären und mit denen zu besprechen, dass Sie die Bürger beteiligen möchten?
Carsten Joneitis: So war das 2011 der Fall. Wir sind auf die Bürgerenergie in Nürnberg gestoßen, die mit uns zusammen eine Bürgergenossenschaft entwickelt hat. Im Anschluss gab es Infoabende und ich habe den Bürgerinnen und Bürgern erklärt, dass es Ihre Anlage wird. Das anschließende Bauleitverfahren hat alleine ein Jahr in Anspruch genommen. Auch wenn wir Überzeugungsarbeit leisten mussten, hatten wir keine Einsprüche zu verzeichnen, weder aus der Bevölkerung, noch aus dem Jagd- oder Landwirtschaftsbereich. Damals sind von den knapp 5 Hektar ungefähr die Hälfte der Anteile verkauft worden. Wir als Gemeinde beteiligten uns damals mit fünf Anteilen á 250 €. So bekommt die Gemeinde auch eine kleine Rendite, die derzeit bei 4,5 % liegt, unabhängig von der Gewerbesteuer. 2011 war noch nicht ganz klar, wo die Reise hingeht. Aber wir waren schon vorne dran.
2. Erweiterung des Bürgersolarpark im Jahr 2011 (7ha, ca. 2000 weitere Haushalte)
Carsten Joneitis: Die letzte Anlage die gebaut wurde, hat einen Flächenanteil von 7 ha und wir versorgen mit dieser Anlage 2100 Haushalte. Wenn wir die 500 Haushalte aus der Anlage von 2011 hinzurechnen, versorgen wir 2600 Haushalte á vier Personen. In Oberhaid haben wir 1900 Haushalte. Aber das reicht uns noch nicht. Wir möchten auch unseren Beitrag für solche Gemeinden leisten, die noch nicht so weit sind, weil sie vielleicht nicht die Flächen besitzen oder die Bereitschaft nicht da ist. Erneuerbare Energien als Maßnahmen gegen den Klimawandel müssen eine gemeinsame Aufgabe sein. Es ist schade, dass wir noch nicht so weit sind.
BKB: Haben Sie schon einmal an Agri-PV gedacht?
Carsten Joneitis: Davon bin ich nicht begeistert, da die Fläche darunter Wasser benötigt. Nachdem die Anlagen recht hoch sind, bin ich mir nicht sicher, ob die Akzeptanz in der Bevölkerung da ist. Aber es kommt immer darauf an, welche Flächen dafür herangezogen werden …
Inzwischen gibt es eine Gesetzesänderung, dass PV-Anlagen entlang der Bahn und den Autobahnen privilegiert sind. Nachdem wir in der Gemeinde ca. 10 km Autobahnstrecke haben, entsteht dadurch eine Goldgräberstimmung und es wird für uns zum Problem. Konkret bedeutet es, dass man in einem Korridor von 200 Metern rechts und links der Autobahn PV-Anlagen ohne Genehmigung erstellen kann. Ausgenommen sind Vorbehaltsflächen, z.B. für Kiesausbau. Das sehen wir kritisch, weil wir nicht unsere kompletten landwirtschaftlichen Flächen in diesem Streifen für Freiflächen-PV-Anlagen heranziehen lassen wollen. Deswegen läuft aktuell eine Beschwerde, die wir beim Bundesbauministerium eingelegt haben. Wir befürchten, dass mit der Privilegierung die Planungshoheit für die Gemeinden ausgehebelt wird und wir dadurch evtl. den Rückhalt in der Bevölkerung verlieren. Aber eine Gemeinde weiß doch am besten, wo PV-Anlagen geeignet sind und wo nicht. Das wäre höchstens etwas für Gemeinden, die noch keine PV-Anlagen installiert haben und auch nicht planen.
3. Und als nächstes: Schwimmende PV-Anlagen!? (weitere 12ha)
Carsten Joneitis: Unser Gemeinderat steht aber hinter dem Ausbau der Erneuerbaren, darum ist er auch bereit den Schritt zu gehen, PV auf Baggerseen zu installieren. Wir haben ca. 40 – 60 ha ungenützte Wasserflächen. Davon wollen wir ca. 12 ha für schwimmende PV-Anlagen nutzen. Der Gedanke kam vor allem deshalb, weil wir nicht noch weitere landwirtschaftliche Flächen mit PV-Anlagen zubauen wollten. Wir sind dann an die Firma Dennert als Eigentümer der Wasserfläche herangetreten und dort auf offene Ohren gestoßen, da die Firma selbst einen hohen Energiebedarf im Industriegebiet Trosdorf auf der anderen Mainseite hat. Die Idee wurde dann auch vor zwei Jahren den Fachbehörden mitgeteilt. Nachdem es solche Anlagen in Nordbayern noch nicht gibt, waren diese etwas zurückhaltend. Unter Berücksichtigung der baurechtlichen Vorgaben sind wir dann auf ca. 12 ha Planungsfläche gekommen. Wir brauchen hierzu eine Bauleitplanung, weil wir schon zu weit von der Autobahn weg sind und die Fläche früher einmal Land war. Vereinbart ist, dass die Fa. Dennert 6 ha und die Gemeinde Oberhaid 6 ha Solarflächen bauen werden. Es wird ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem wir auch die Bürgerinnen und Bürger z. B. in Form einer GmbH einbinden möchten, um das Kapital im Vorfeld der Erstellung zu bekommen. Die Bauleitplanung hat vor kurzem begonnen. Jetzt müssen wir abwarten, bis die rechtlichen Hürden beseitigt sind. Die Behörden werden uns dabei unterstützen. Ich weiß, dass dies ein steiniger Weg ist und das Projekt auch scheitern kann. Das wurde mit dem Gemeinderat und den Planern klar kommuniziert.
BKB: Können sich auch Bürgerinnen und Bürger anderer Gemeinden sich an dem Projekt beteiligen?
Carsten Joneitis: Grundsätzlich geht das Beteiligungsangebot an die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinden. Ich glaube aber schon, dass es am Ende auch Möglichkeiten für Angehörige anderer Gemeinden geben könnte. Wir sind ja in guter Verbindung mit Bischberg, Viereth-Trunstadt und Hallstadt.
BKB: Gibt es auch einen Mehrwert für diejenigen, die keine großen finanziellen Mittel zur Verfügung haben?
Carsten Joneitis: Ja, es soll auch die Möglichkeit geben sich mit kleinen Beträgen beteiligen zu können. Auch die Kläranlage soll mit dem erneuerbaren Strom betrieben werden. Davon könnten im Umkehrschluss auch wieder die Bürger und Bürgerinnen profitieren. Aber man kann da im Vorfeld keine Versprechungen machen. Man muss die Bereitschaft haben alle einzubinden, also die Angler, die Naturschützer, die Wasserwirtschaft.
BKB: Können Sie uns erklären, wie die Floating-PV-Anlage aufgebaut ist?
Carsten Joneitis: Das sind herkömmliche PV-Anlagen, die auf Bojen befestigt sind. Man braucht natürlich noch die elektrischen Anschlüsse, wie auch auf dem Feld.
BKB: Haben Sie dort auch entsprechende Einspeisepunkte?
Carsten Joneitis: Ja, wir haben das Umspannwerk in der Nähe. 2015/2016 ist eines zwischen Unterhaid und Oberhaid gebaut worden. Das hatte auch etwas mit der Windkraftanlage in Priesendorf zu tun. Das genannte Umspannwerk ist auch der Grund, weswegen wir so viele Anfragen von Interessenten erhalten, die PV-Anlagen bauen möchten und so den Strom aus den erneuerbaren Energiequellen dort auch einspeisen wollen.
BKB: Wie sind die nächsten Schritte für die Floating-PV-Anlage?
Carsten Joneitis: Wir werden mit der Bauleitplanung starten. Wenn die ersten Entwürfe da sind, werden wir alles weitere mit den Fachbehörden, der Regierung von Oberfranken, den Wasserwirtschaftsämtern und dem Bezirk absprechen. Zudem ist angedacht, mit der Uni Bayreuth Kontakt aufzunehmen, wegen einem studienbegleitenden Untersuchungsbericht über die Auswirkungen auf das Wasser. Wenn wir dann weitgehend grünes Licht bekommen, werden wir auf alle Beteiligten und die Bürgerschaft zugehen. Das wäre die Zielvorstellung in diesem Jahr.
BKB: Wenn die PV-Anlage auf dem See gebaut wird, bleibt dann noch genügend Fläche für Freizeitmöglichkeiten übrig?
Carsten Joneitis: Ja, die Freizeitsuchenden und die Angler hätten dann noch genügend Fläche. Wir würden erst einmal mit 12 ha beginnen, auch wenn es grundsätzlich noch größer möglich wäre. Wir wollen aber erst einmal kleine Schritte gehen, um zu sehen, was möglich wäre. Unsere Planungen könnten auch eine Vorbildfunktion haben für andere Baggerseen zwischen Lichtenfels und dem Maintal oder auch an der Donau. Es gibt bereits Anlagen in Österreich, die das ganz gut gemanagt haben. Wir bleiben auf jeden Fall am Ball, auch wenn sich herausstellen sollte, dass eine Floating-PV-Anlage teurer ist, als eine Freiflächen PV-Anlage.
BKB: Haben Sie auch Speichermöglichkeiten für Strom in der Gemeinde?
Carsten Joneitis: Das ist ein wichtiger Punkt, aber soweit sind wir noch nicht. Nachdem wir auch nachts Energie brauchen, wird dieses Thema mit Sicherheit aber auf uns zukommen.
4. Wie sieht es aus mit Windkraft?
BKB: Gibt es Vorrangflächen in Oberhaid für Windkraft?
Carsten Joneitis: Auch wenn unser Gemeinderat nicht abgeneigt gewesen wäre, gab es Untersuchungen durch den Landkreis und da hat sich herausgestellt, dass Oberhaid wegen der fehlenden Windhöfffigkeit leer ausgeht. Die Gemeinde Oberhaid liegt ziemlich tief, Unterhaid ist sogar die tiefste Stelle im Landkreis Bamberg. Wir haben eine alte Mülldeponie der Stadt Bamberg im Gemeindegebiet, da gab es schon einmal Überlegungen, die auf Grund von Berechnungen aber wieder fallen gelassen wurden. Da liegt Priesendorf wesentlich höher, aber auch Heiligenstadt, da war ich auch dabei, wie damals Windkraftanlagen geplant wurden, die aber auf Grund des Bürgerentscheids leider nicht gebaut wurden. Das lag auch damals am politischen Willen der Staatsregierung. Wenn man ab dem Jahr 2010 weitergemacht und über die Jahre hinweg Windkraft ausgebaut hätte, gäbe es die Probleme jetzt nicht und man hätte andere Voraussetzungen.
Herr Joneitis, wir bedanken uns für dieses Gespräch!
Quellen:
Warum?
Die Universität fühlt sich als Bildungseinrichtung dazu verpflichtet, ein klimapolitisches Zeichen zu setzen und die bereits vorhandenen Bemühungen im Bereich Nachhaltigkeit zu ergänzen.
Wie?
Die Kampagne „Race to Zero“ wurde im Jahr 2020 von der UN ins Leben gerufen. Nichtstaatliche Akteurinnen und Akteure wie Unternehmen und Institutionen können beitreten, sich dem gemeinsamen Ziel verschreiben und aktiv werden.
Seit 2020 zählt die Initiative über 14.000 Mitglieder, davon haben sich global nach aktuellem Stand über 550 Universitäten verpflichtet, ihre über 11.500.000 Studierenden zu repräsentieren. In Deutschland sind bisher etwa die Freie Universität Berlin, die Hochschule Magdeburg-Stendal, die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die Otto-Friedrich-Universität Bamberg und die RWTH Aachen University involviert.
Konkret hat die Universitätsleitung in Bamberg ein Nachhaltigkeitsbüro eingerichtet und veranstaltet jedes Jahr im Juni einen Nachhaltigkeitsmonat mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen. Zudem wurden bereits einige Dachflächen mit Photovoltaik ausgestattet.
Wohin?
Die Uni Bamberg hat sich ein eigenes Ziel gesteckt: Schon bis 2030 soll der Universitätsbetrieb klimaneutral gestaltet werden. Hierzu sollen alle Universitätsangehörigen und Fachbereiche kooperieren und ihren Beitrag leisten.
Wusstest Du,
… dass die Uni Bamberg auch die erste staatliche Uni in Bayern ist, die EMAS-zertifiziert ist? EMAS, das ist die Kurzbezeichnung für das „Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung“, in Englisch: „Eco-Management and Audit Scheme“. Organisationen, die ein Umweltmanagement nach EMAS etablieren, verpflichten sich dazu, alle einschlägigen Umweltrechtsvorschriften zu erfüllen und einen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung der eigenen Umweltleistung zu organisieren.





















